Wir haben uns selten so auf ein Interview gefreut wie auf dieses. Grober Knüppel Frontmann Hazy van der Lubbe. Es ist etwas schwierig, ein derartiges Interview vorzubereiten, weil die Masse an Informationen einfach überwältigend ist. Grober Knüppel ist die deutsche Antwort auf Hardcore, ein angepisster deutscher Albtraum. Nicht ganz unumstritten wollen wir uns dem Thema widmen.

Heißes Eisen oder verbotene Frucht?

Umstritten auf jeden Fall, deswegen starten wir direkt.

HC: Geh mal kurz auf die Geschichte vom Groben Knüppel ein.

Hazy: Ich war 2005/2006 im Baskenland, wollte eigentlich weg hier aus Deutschland und hab mich da unten entschlossen, die Band durchzuziehen und auf diese Art zurückzuschießen gegen das was mich hier fertig machte. Ich hab’n bisschen baskischen Geist mitgebracht. Ich dachte, das ist gut und hilft Typen wie mir sich hier durchzuboxen. Ich fing mit meinem Kumpel Chewie an, Songs zu machen und wir suchten uns dann’ne Band zusammen. „Niemand ist hier besser“ war unser erster Song, den nahmen wir noch zu zweit auf und brachten dann 2008 das erste Album auf Asphalt raus, wo ich als Soundengineer gearbeitet hatte.

HC: Der GK ist ja aktuell nicht Dein einziges Musik-Projekt, sondern du hast ja schon vor dem GK deine Fußstapfen in der Musiklandschaft hinterlassen. Stichwort „Sons of Tarantula“. Geh doch bitte auch mal auf die Geschichte ein für diejenigen, die es nicht wissen.

HAZY: Sons of Tarantula war, in meinen Augen damals die Reinform des Punk. Ich bin in der Punkszene groß geworden und mir wurde das Ganze irgendwann zu spießig. Immer mehr Leute versuchten, dir ihre Regeln aufzudrängen. Wir waren der Punk im Punk. Anecken wo immer es ging. Im Soundgewand von Hardcore, Grindcore, Crustcore, der Mucke auf der wir drauf waren zu der Zeit. Wir mutierten immer mehr zum Monster. Als dann irgendwann alles wirklich gefährlich wurde, beendeten wir den Spuk. Nach den Konzerten war Notaufnahme normal geworden, Scherben rausziehen und Platzwunden nähen war angesagt.

Einer von uns war auf der Bühne angeschossen worden, es gab immer wieder Gewalt und Mordandrohungen. Wir waren bis dahin Typen, denen alles egal war. Irgendwann trafen wir die Entscheidung zum Leben. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es den ersten Toten gegeben hätte. Unsere menschliche Kombination und unser Alkohol-und Drogenkonsum war brisant, und ich war mit der Schlimmste. Ich bin glücklich und froh darüber, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Aber wie gesagt, das war reiner Zufall.

HC: Sons war ja auch nicht ganz unumstritten, was waren so die Skandale?

HAZY: Es gab einen Haufen. Ich hatte sogar mal ’ne Hausdurchsuchung, wo nach Masterbändern gesucht wurde. Aber wohl unser größter Irrsinn war der Schuss mit der Schrotwumme. Wir hatten sogar mal auf ’nem Festival ’ne Security, die die Gäste vor uns beschützte.

HC: Du bist ja schon oft mit Gewalt und Tod konfrontiert worden. Wie sehr hat dich das geprägt?

HAZY: Mein Leben war von Anfang an von Gewalt geprägt. Irgendwo muss so ein Irrsinn ja herkommen. Es ist ein reiner Zufall, dass ich alles so gut wegstecken konnte.  Ich hatte und habe viel Hass in mir,  mit dem ich irgendwie rumhantieren muss. Und wenn du dich dann veränderst, weil du denkst, und deinen Teil Glück in deinem Leben einforderst, heißt das ja nicht, dass der Stein, den du mit dir rumträgst, verschwindet. Zum Glück hatte ich immer die Musik. Es waren immer Lieder, die ich gesungen habe, wenn Gewalt auf mich ausgeübt wurde. Das war meine eigene Welt und hat mich vor Schlimmerem bewahrt, außer vor mir selbst.

Copyright Fotos: BRITTA.

HC: Direkt die nächste Story: Der Film. Wie kam es dazu und wie ist der Stand der Dinge?

HAZY: KNORX. Nach langem Hin und Her der schlussendliche Name des Films. Ich hatte den Regisseur durch die Musik kennengelernt und er erzählte mir von dem Plan zum Film. Ich hab einen Crashkurs bei einer Schauspielschule gemacht und dabei wuchs die Idee immer weiter. Und es wurde gefilmt. Underground Film hat natürlich genauso Probleme wie Underground Musik. Geldgeber sprangen ab, Leute mussten ersetzt werden… ich hatte ’nen Unfall, hatte 20 Kilo weniger und ’ne andere Fresse… Trotzdem wurde durchgezogen. Das ganze hat halt gedauert, aber der Film ist fertig. Musste allerdings wegen den Filmfestivals 2020 rauskommen. Aber er kommt und ist krass und hat sowohl Grober Knüppel als auch mein anderes Projekt „Sexsymbole mit Metzgercharme“ im Soundtrack.

HC: Kann man schon was sagen, was die Zukunft bringen wird? Bezogen auf den Film.

HAZY: Es wird mittlerweile auf jeden Fall über Geldgeber und einen zweiten Teil gesprochen. Ich denke schon dass der Film etwas Furore machen wird, weil er ungewöhnlich ist, aber weil auch ein paar sehr bekannte Schauspieler mitspielen. So was gab es in der Art in Deutschland noch nicht. Professionell gedreht, mit Profi Schauspielern, extrem krasses Thema aber ohne die Industrie im Nacken.

HC: Du bist ja ein Ruhrpott Kind, wie war die Szene damals und wie hat sich der Spaß zu heute verändert.

HAZY: Ich bin über die Punkszene in die erste Hardcorepunkszene gekommen. Das entwickelte sich grade. Für viele der mittlerweile ziemlich spießigen Punks waren wir, mit unserer krassen Mucke, durchgeknallte Typen. Wir fuhren Skateboard, hörten brutale Musik und nahmen den Style unserer Vorbilder an. Aber wir waren schon viel weniger Leute und mussten Anfangs weit fahren für Konzerte. Dementsprechend hingen wir jetzt viel mit Leuten aus Holland, Belgien, Dänemark rum. Die Punkszene war für uns mittlerweile sehr rentnermässig und lokal beschränkt. Deshalb verlor sich das etwas. Aber man sah sich auf Konzerten und hing auch noch zusammen ab, soff und konsumierte Drugs. Wir fuhren weit für unsere Bands und Konzerte. Vor allem viel nach Holland. Dadurch, dass ich mittlerweile schon 20 Jahre nicht mehr im Pott und MK wohne, weiß ich nicht, was da noch geht. Viele haben sich abgesetzt oder sind tot. Die Wildheit der Konzerte hat auf jeden Fall abgenommen. Logisch, wir sind alte Säcke und die Kids heute sind auf nem anderen Film.

HC: Neid und Missgunst… Bands wollen nicht mit euch auftreten, Veranstalter müssen euch ausladen weil es sonnst ärger geben könnte.

HAZY: Kommt immer wieder vor. Hierbei wird ’ne Menge fieses Zeug ausgepackt. Wir wären Rechte, Sexisten, Dreckschweine, oder, bei den eher konservativen Deutschrock Typen, sind wir Linksextreme und werden vom Verfassungsschutz überwacht, pissen auf die Bühne und fressen die Mülleimer leer und klauen dann noch den Schnaps. Die Bands und Festivals, die dann nicht mit uns spielen wollen, sind entweder No-Names, die sich wegen allem einscheissen was anecken könnte. Oder Bands und Veranstalter die erfolgsgeil sind und Angst haben, dass wir ihren Namen beschmutzen könnten. Aber hinter dem ganzen Intrigenscheiss stehen Leute, die uns als Konkurrenz sehen. Oder unsere Plattenfirma oder sonst was. Irgendwelche Leute, die nicht mit ihren Produkten überzeugen können und deshalb solche Rattenwege gehen müssen. Weil eins ist Fakt: Gegen uns als Menschen sind die meisten anderen Spießer. Wir sind menschlicher und gerader als fast jeder andere. Und jetzt kommen ja noch die Deppen, die wie Papageien alles nachquatschen, was die ganzen Ratten ihnen gebetsmühlenhaft vorbeten in ihre Nachquatschergehirne. In etwa so wie… die Juden sind schlecht… die Juden sind schlecht… der Grobe Knüppel ist schlecht…

HC: Was wird die Zukunft bei dir bringen? Was ist geplant und welche Ziele möchtest du für dich noch erreichen (Stichwort Auswandern?)

HAZY: Ich hab keine Ziele. Ich hab gerade das „Sexsymbole mit Metzgercharmealbum“-Album fertig gemischt, und fange an, das neue Grober Knüppel Album aufzunehmen. Ich bin glücklich, wenn ich gute Songs hinbekomme und über die Runden komme. Das ist schwer genug, den Rest konnte ich nie kontrollieren. Auswandern tu ich, wenn mir die Ochsen hier noch weiter nach rechts wandern, weil ich glaube, dann wird es gefährlich für mich. Den Notfallplan gibt es schon, aber erst mal hab ich hier 20 Jahre an meinem Leben gearbeitet, das gebe ich ungern ohne triftigen Grund auf.

HC: Fast vergessen… „Sexsymbole mit Metzgerscharme“- was ist hier geplant?

HAZY: Das Debutalbum „Eure Frauen werden uns lieben“ ist wie gesagt gerade fertig, soll im Februar 2020 rauskommen, und wir bereiten uns gerade auf die Live Geschichte vor. Wir wollen sowohl als komplette Band, aber auch als zwei Sänger zum Playback auftreten. So wie die Schlagerfuzzies das machen. Wir können dann auch Geburtstage und Hochzeiten spielen. Das wird schon etwas anderes als alles bisher. Choreografie und üben.

HC: Zu guter Letzt noch Dein Statement an die Welt.

HAZY: Jeder bekommt was er verdient.